… und sie lernen nicht mehr den Krieg - 75 Jahre pax christi Deutschland
08. Nov 2023
Dazu wurden nicht nur unsere Mitglieder eingeladen, sondern auch die
Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten.
So konnten wir am 4. November dieses Jahres ca. 100 Mitglieder und Gäste in der Pfarrei St. Bonifaz in München begrüßen.
Schon viele Monate zuvor hatte uns Kardinal Marx zugesagt, den Festgottesdienst in der Basilika zu halten. In seiner Predigt betonte der Erzbischof:
„Die Gewalt darf nicht das letzte Wort bekommen“.
Der Kardinal gab zu bedenken: „Es sei schon immer Bestandteil der kirchlichen Tradition gewesen, dass es ein Recht zur Verteidigung gibt, wenn jemand ein Land angreift und dass es eine Pflicht gibt, die Schwachen vor Gewalt zu schützen Dennoch habe die Kirche das Prinzip der Gewaltlosigkeit, wie Jesus es in der Bergpredigt verkündet habe, nie aufgegeben, unabhängig davon, wie unrealistisch diese Vision in der aktuellen Zeit wirke.
Er ermunterte uns: „Für einen echten Frieden brauche es mehr als das Schweigen der Waffen – es brauche echte Versöhnung. Dafür werden Menschen wie Sie gebraucht, die mit langem Atem dafür sorgen, dass Menschen einander wieder in die Augen schauen können“. Es sei ihm bewusst, dass dies ein eine lange, herausfordernde Aufgabe sei, die Generationen und Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde. Der Schlüssel aber, so Marx, liege in der christlichen Überzeugung, „dass auch der Gewalttäter Mensch und ein Abbild Gottes“ sei. Mit dieser Überzeugung könne es gelingen, Hoffnung in der Welt zu sein“.
Den anschließenden Festvortrag im großen Pfarrsaal von St. Bonifaz hielt Clemens Ronnefeldt.
Er gliederte seinen Vortrag in drei Teile: Kernbotschaften des „Frieden Christi“, Umsetzungen in München und Freising, Herausforderungen und Hoffnungszeichen.
„Die Bergpredigt sei
das Fundament von pax christi – dem umfassenden Friedensbegriff Christi. Und er
betonte die bekannten Bibelstellen aus den Evangelien, die uns verpflichten zur
Gewaltlosigkeit und den Einsatz für Frieden“.
Er ergänzte diesen biblischen Auftrag mit Zitaten von Friedrich Nietzsche, Carl Gustav Jung und Martin Luther King.
Stellvertretend
für die vielen Friedensaktivisten in unserer Diözese erinnerte Ronnefeldt mit
kurzen Biografien an drei Persönlichkeiten:
Pater Manfred Hörhammer, Wilhelmine Miller und Wolfgang Deixler.
Er schilderte unsere vielen Aktivitäten und verdeutlichte dies mit einer Präsentation zahlreicher Bilder.
Zum
Schluss ging Ronnefeldt noch auf die aktuelle Weltlage ein und hier
insbesondere auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
Erschreckend sei für ihn die Aussage unseres Verteidigungsministers, wonach
Deutschland wieder kriegstauglich werden müsse und die Ankündigung unseres
Bundeskanzlers, wonach Deutschland im großen Stil abschieben müsse. Diese
Aussagen entsprächen weder der UN Charta noch dem deutschen Grundgesetz.
Und Ronnefeldt erinnerte daran, dass Waffen jeglicher Art die größten Klimasünder seien, in der Klimabilanz aber nicht genannt werden.
Er beendete seinen Vortrag mit einer Erinnerung an Reuven Moskovitz, als dieser 2010 in der Sankt Anna-Kirche in München auf seiner der Mundharmonika den Kanon „Dona nobis pacem“ spielte und Ronnefeldt uns einlud, mitzusingen.
Nachdem das Büffet eröffnet war, wurde in zahlreichen Begegnungen weiter diskutiert, alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue Bekanntschaften geschlossen.
Ein guter friedlicher Abend ging für Viele fast zu schnell zu Ende.
Ich denke, es ist uns gelungen in einer Zeit des Unfriedens das Bemühen um Frieden mit gewaltfreien Lösungen und die Friedensbewegung wieder in den Vordergrund zu stellen.
Die Arbeit, um einen solchen Abend auf die Beine zu stellen, hat sich gelohnt.